Nov 18 2009
Yamaha CLP-320-340
Wer sich ein Einsteiger- oder Mittelklasse-Digitalpiano von Yamaha in der Preislage zwischen knapp 1000 und 2000 Euro zulegen möchte, hat zunächst einmal die Qual der Wahl. Allein in der Clavinova CLP-Serie stehen mit dem CLP-320, dem CLP-330 und dem CLP-340 drei Instrumente zur Verfügung. Darüberhinaus gibt es noch das näher mit dem Keyboard verwandte, Portable Grand (= tragbarer Flügel) genannte Digitalpiano DGX-630. Dieser Vergleich soll bei der Entscheidungsfindung behilflich sein.
Der Blick in die technischen Daten macht denjenigen, der in das Thema einsteigt, zunächst wenig klüger. Begriffe wie “GH-Tastatur” und “AWM Dynamic Stereo Sampling” werden dort beworben, die Verstärkerleistungen sind angegeben und etliches andere mehr. Schnell stellt sich die Frage, was von alledem man denn nun wirklich für den eigenen Bedarf braucht. Daher sollen zunächst die beiden wichtigsten Begriffe erklärt werden.
Das Kürzel “GH” steht für “graded hammer” und bedeutet schlichtweg, dass wie beim akustischen Klavier und Flügel die Tasten der tieferen Töne einen höheren Anschlagswiderstand haben und anders repetieren als die der höheren. Beim Digitalpiano wird dies durch Gewichtung der Tasten erreicht. Frühere Digitalpianos verfügten noch nicht über diese Eigenschaft und fühlten sich dadurch ziemlich “unecht” an. Über gewichtete Tastaturen verfügen jedoch alle vier der hier verglichenen Digitalpianos.
Darüber hinaus taucht ab dem CLP-330 der Begriff GH3-Tastatur auf. Hier verfügt das Instrument dann über zusätzliche, d.h. insgesamt drei Tastensensoren, die z.B. eine nur halb losgelassene und dann wieder gedrückte Taste registrieren, während bei der GH-Tastatur kein Ton ausgelöst würde.
“Dynamisches Stereo-Sampling” bedeutet, dass die Aufnahme (das Sampling)der Töne vom akustischen Flügel in unterschiedlichen Lautstärken geschieht, d.h. jeder Ton steht in verschiedenen Lautstärken zur Verfügung. Dieser Aufwand wird aus folgendem Grund betrieben: Beim akustischen Instrument klingt ein leicht angeschlagener Ton weicher und wärmer, während ein kräftig angeschlagener Ton eine härtere und brilliantere Klangfarbe erhält. Dreistufiges Sampling bedeutet also, dass jeder Ton in drei verschiedenen Klangfarben zur Verfügung steht. Während das CLP-320 und CLP-330 über dreistufiges Sampling verfügen, sind beim CLP-340 vier Stufen vorhanden. Die technischen Daten des DGX-630 weisen keine Stufenzahl aus, jedoch könnte man dem Gehör nach zwei Stufen vermuten.
Zum Vergleich des Spielgefühls, der Klangeigenschaften, der Bedienbarkeit etc. wurden die vier Instrumente im Wechsel gespielt, sowohl über die eingebauten Lautsprecher als auch über Kopfhörer.
CLP-320: Die Bewertung des CLP-320 beginnt leider mit einem Nachteil, nämlich der eingeschränkten Bedienerfreundlichkeit. Sämtliche Funktionen wie z.B. die Auswahl der Stimme werden über die Klaviatur mithilfe von Funktionstasten gesteuert. Wer eine andere Einstellung vornehmen möchte, muss daher erst eine Tabelle zu Hilfe nehmen, eine Funktionstaste drücken und abschließend die der gewünschten Stimme entsprechende Taste auf der Klaviatur drücken. Das kostet Zeit und verleidet ein wenig die Lust des Ausprobierens, so dass man nicht allzu schnell alle Möglichkeiten seines Digitalpianos ausloten und nutzen kann.
Ein Vorteil dieser Bedienungsweise liegt natürlich darin, dass das CLP-320 optisch ausgesprochen dezent daher kommt, da sich ausser der eigentlichen Klaviatur so gut wie keine Tasten am Instrument befinden.
In punkto Spielbarkeit und Klangqualität steht das CLP-320 seinen beiden größeren Geschwistern kaum nach. Die Tasten fühlen sich sehr realistisch an, verfügen über ein gutes Repetitionsverhalten, die Lautsprecher geben einen klaren, einwandfreien Klang ab. Das Fehlen der GH3-Tastatur fällt praktisch nicht ins Gewicht, da sich der Unterschied zwischen GH und GH3 nur feststellen lässt, wenn man ganz gezielt darauf achtet. Die relativ kleinen Lautsprecher lassen sich in Bezug auf das Klangvolumen im direkten Vergleich geringfügig bemerken, stellen jedoch für den Gebrauch in normal großen Räumen keinen Nachteil dar.
Abbildung und Preisinfo Yamaha CLP-320
CLP-330: Hier zeigt sich der Vorteil der Bedienung durch separate Tasten oberhalb der Klaviatur: Die Funktionen sind übersichtlich angeordnet und einfach nutzbar. Insgesamt fühlt sich das Instrument schon wie ein “ausgewachsenes” Klavier an, der Klang ist durch die größeren Lautsprecher etwas voluminöser als beim CLP-320, auch die Anzahl der Stimmen ist erweitert. Was jedoch auch beim CLP-330 im Vergleich zum akustischen Piano auffällt, ist das noch nicht ganz realistische, stufenweise Ausklingen der Töne, insbesondere die kurze Dauer des Ausklingens mutet noch etwas synthetisch an. Dies lässt sich je nach Geschmack jedoch ganz gut mit der Einstellung eines leichten Halleffektes beheben.
Abbildung und Preisinfo Yamaha CLP-330
CLP-340: Das CLP-340 unterscheidet sich vom CLP-330 insbesondere durch die größere Verstärkerleistung und die Tasten aus synthetischem Elfenbein. Damit liefert es ein noch etwas vollwertigeres Spielgefühl.
Darüberhinaus lässt es sich mit dem Internet verbinden, mit dessen Hilfe das CLP-340 als eine Art Radio gespeicherte Musik abspielen kann.
Abbildung und Preisinfo Yamaha CLP-340
DGX-630: Eine Sonderstellung nimmt in diesem Vergleich das DGX-630 ein, da es seine Verwandtschaft mit dem Keyboard nicht ganz verleugnen kann und vermutlich auch nicht soll. Das fällt zunächst optisch auf, und auch die Tasten fühlen sich nicht so realistisch an wie bei den CLP-Modellen. Diese Umstände müssen jedoch nicht als allzugroße Nachteile gesehen werden, denn auch das DGX-630 verfügt über gewichtete Tasten und hat trotz seiner kleinen Lautsprecher und seiner geringen Verstärkerleistung einen erstaunlich guten Klang. Auch wenn das Sampling evtl. über weniger Stufen verfügt, lässt sich dennoch gut mit den Klangfarben arbeiten. Wenn man beim Spielen die einfacheren Tasten ausblendet, kann sich ein gleichermassen realistisches Spielgefühl einstellen wie bei der CLP-Serie. Darüberhinaus stehen mit 500(!) verschiedenen Stimmen vielmehr Möglichkeiten zur Auswahl, die einfach sehr viel Spaß machen. Die Bedienung ist ausgesprochen komfortabel mit Hilfe des LCD-Displays, wenngleich die Bedienelemente sich nicht ganz so langlebig anfühlen wie bei den Clavinovas.
Wer in einem größeren Raum für ein Publikum hörbar sein will, sollte auch auf externe Lautsprecher zurückgreifen.
Abbildung und Preisinfo Yamaha DGX-630
Fazit:
Wer sich für ein Digitalpiano und gegen ein akustisches Klavier entschieden hat, liegt mit dem Kauf eines Instrumentes aus der CLP-Serie in jedem Fall auf der sicheren Seite. Die CLP-Serie ist der Klassiker unter den Digitalpianos, so dass auch beim Wiederverkauf vergleichsweise gute Preise erzielt werden. Innerhalb der hier vorgestellten Modelle liegt man im Zweifelsfalle in der goldenen Mitte richtig: Das CLP-330 verfügt über eine vollständige Ausstattung und ein sehr solides Spielgefühl bei sehr guter Bedienbarkeit. Wer sich mit der Bedienung des CLP-320 anfreunden kann, ist mit diesem Instrument ebenfalls gut beraten. Das CLP-340 lohnt sich nur für Digitalpianospieler, die sich sicher sind, die zusätzliche Ausstattung wirklich zu brauchen.
Lesen Sie bei Interesse am DGX-630 bitte auch die detailliertere Beschreibung dieses Instruments auf der folgenden Seite.